Fritz Bauer

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Aufnahmen während der Dreharbeiten zur TV-Dokumentation
HEUTE ABEND KELLERKLUB: FRITZ BAUER, Hessischer Rundfunk, 1964.

 

 

 

 

„Manche mögen zum Verbrecher geworden sein, weil es ihnen an kritischem Verstand fehlte, weil der Nazismus ihren Vorurteilen entgegen kam und ihnen das Ethos von Toleranz und Humanität fremd war. Andere folgten blind dem Satz: ‚Gesetz ist Gesetz und Befehl ist Befehl’. Jahrhunderte hindurch wurde den Deutschen der Gehorsam gepredigt, sie wurden zu Untertanen geschliffen – in der Familie, in der Schule, auf dem Kasernenhof und im sozialen und wirtschaftlichen Leben. Selbst seine klassischen Philosophen wussten ihm nichts anderes zu dozieren. ‚Pflicht! Du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst’, hieß es bei Kant, dem es ethisch gleichgültig war, ob die Neigungen des Menschen gut oder böse waren, und ob das Ziel menschlichen Handelns den Menschen gut tat oder nicht. Entscheidend war ihm die Unterordnung unter den Befehl. ‚Wie sie mit ihrer Moral, die schmutzigen Naturen, uns quälen! Tut euch die Peitsche so gar not, was empfehlt ihr sie uns?’ seufzte Schiller. Die deutschen Machiavellis mit Hegel als ihrem Theoretiker haben darüber hinaus Erwerb und Erhaltung der Staatsmacht, die Gewalt nach innen und außen zum Inhalt von Gesetzgebung und Verwaltung erhoben und die Staatsträger von aller privaten Moral freigestellt. Von hier führte ein Weg geradeaus zu den Todesurteilen der Sondergerichte, nach Auschwitz und Treblinka. Auch heute hören wir noch oder hören wir wieder den Ruf nach Ordnung und Disziplin und erleben die Verfemung des Geistes der Freiheit , weil er anarchisch sei.“   
                                                                                                             Fritz Bauer (1965)


Fritz Bauer, Im Namen des Volkes, S. 301-314

 

 

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1.   März 2003

RECHERCHE FÜR DEN GEPLANTEN FRITZ-BAUER-FILM
AKTENAUSWERTUNG IM FRITZ-BAUER-INSTITUT

Vermerk über Benachrichtigung vom Auffinden u. erste Maßnahmen, insbesondere welche
Personen unterrichtet wurden (Unterschrift unleserlich) Kondolenz-Liste
Abschließendes Gutachten Prof. Dr. Gerchow vom 24.1.1969 (also 6 Monate später) über das
Ergebnis der Obduktion und weitere Untersuchungen. Zusammenfassung:
Todeszeit Nacht 29./30.6.1968 (Samstag auf Sonntag) Schwerste schleimig-eitrige Bronchitis u. Lungenödem
Blutalkohol 1,0 bis 1,1 Promille zum Todeszeitpunkt (evtl. höher bei Einnahme Renoval) Mageninhalt lässt auf Einnahme von 5 Tabletten Renoval schließen (Einschlafmittel) Kein Anzeichen für Ertrinken
Hände gefaltet, Beine angewinkelt, demnach keine motorische Erregung oder Krämpfe, was eigentlich Renoval verursacht
Herzkranzgefäße deutlich eingeengt, Gewicht des Herzens über dem Durchschnitt (benötigt deshalb mehr Sauerstoff)

Daraus folgert:
Renoval alleine nicht ursächlich für den Tod (evtl. lag lt. Gerchow Gewöhnung an das Mittel vor)
Deutliche Beeinträchtigung des Sauerstofftransportes und des Gasaustausches durch o.a. Faktoren, verstärkt durch schwerste Bronchitis
zunehmende Unterkühlung lässt außerdem Stoffwechselvorgänge sinken

Ergebnis lt. Gerchow:
Es besteht die Vermutung, dass die Überdosis Renoval in suicidaler Absicht eingenommen wurde.
Es kann aber auch sein, dass die verschiedenen inneren und äußeren Faktoren zusammengenommen zu einem Unglücksfall führten, also der Tod nicht willentlich herbeigeführt wurde.

Eigene Bewertung: Im Falle Freitod hätte Fritz Bauer wesentlich mehr Tabletten eingenommen.

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Stand: 29. März 2003

RECHERCHE FÜR DEN GEPLANTEN FRITZ-BAUER-FILM
THEMENSCHWERPUNKTE

Elternhaus, Kindheit, Schule

Am 16. Juli 1903 in Stuttgart geboren.
Im Alter von 6 Jahren sei ihm auf der Straße nachgerufen worden, er als Jude sei für den Tod
Jesu verantwortlich (Zwerenz)
Von Stauffenberg war Schulkamerad Bauers

Studium und Beruf

1921-1924 Tübingen und München Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Dissertation „Die rechtliche Struktur der Truste“ (magna cum laude) Staatsexamen 1928 mit „gut“
1930 jüngster Amtsrichter des Deutschen Reichs

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Die Unwilligkeit zu trauern

Dieter Schenk über institutionelle und personelle Kontinuitäten in der Bundesrepublik zum Nationalsozialismus und die Rolle des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer
Am gestrigen Mittwoch ist Dieter Schenk von der Humanistischen Union mit dem Fritz-Bauer-Preis 2003 ausgezeichnet worden. Der Preis ist nach dem früheren Hessischen Generalstaatsanwalt benannt und belohnt das Engagement für Demokratie und Bürgerrechte. In seiner Dankesrede hebt Schenk die Bedeutung Bauers für seine eigene Entwicklung und seine kritische Auseinandersetzung vor allem mit Polizei und Justiz in Deutschland hervor. Wir dokumentieren die Preis-Rede, gehalten im Frankfurter IG-Farben-Haus, im Wortlaut.
Ich freue mich und es beruhigt mich, dass mir nicht die alleinige Aufmerksamkeit dieser Veranstaltung gilt, sondern dass ich neben jemandem stehe, an dessen Seite ich mich bestätigt und unterstützt fühlen kann: Fritz Bauer. Ich bin ihm nur einmal in meinem Leben persönlich begegnet. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hatte ihn Anfang der sechziger Jahre zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen. Mich beeindruckte, wie er unerschrocken offensiv neue Thesen gegen ein überkommenes Strafrecht vortrug und wie er sich ohne Rücksicht auf einen anders gestimmten Zeitgeist gegen einen entwürdigenden Strafvollzug wandte.
Ich war fasziniert von der suggestiven Kraft seiner Persönlichkeit. Ich war berührt durch die Stärke, die er ausstrahlte und den eindringlichen Blick seiner dunklen Augen.
Ich ahnte nicht, dass Fritz Bauer einmal so etwas wie mein stiller Weggefährte werden würde, sein Wirken und sein Geist inspirierten nicht nur mich. Zumeist begegnete ich ihm in Ermittlungsakten, in denen er mit eindeutiger Konsequenz, zwingender Logik und juristischer Delikatesse durch generalstaatsanwaltschaftliche Verfügungen die Strafverfolgung von Nazi-Tätern vorantrieb um Schluss zu machen mit der Schlussstrich-Mentalität, um aus dem Gerichtssaal heraus die Öffentlichkeit über die NS-Vergangenheit aufzuklären, nach den Gründen der moralischen Katastrophe zu fragen. Er wollte "dem menschlichen Faktor eine Gasse bahnen, denn vom Gesetzesfetischismus führt ein schnurgerader Weg zu den KZ Auschwitz und Buchenwald". (Bauer)
Ob im Archiv des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof oder in der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen Ludwigsburg oder andernorts, der Umgang mit diesen Akten der Nazi-Gräuel bedeutet Trauerarbeit, begleitet vom Entsetzen über die Barbarei, bis die eigene Hilflosigkeit in Wut umschlägt und die befreiende Kraft und den Mut spendet, dagegen anzuschreiben: den Tätern einen Namen zu geben, ihre Verbrechen offen zu legen und das Andenken der Opfer aus dem Vergessen zu heben.
1964 sagte Fritz Bauer zu einem Journalisten: "Schreiben Sie, wie sehr wir alle bei der Generalstaatsanwaltschaft unter den NS-Mordprozessen leiden. Es ist furchtbar, immer wieder den ganzen Jammer, die ganze Not jener zwölf Jahre heraufzubeschwören, immer wieder in die Vergangenheit sehen zu müssen, statt unbeschwert in eine bessere Zukunft zu blicken." Und er schloss das Interview mit den Worten: "Es geht darum, der Welt klar zu machen, dass unsere Bundesrepublik auf der Anerkennung der Menschenrechte beruht, dass Toleranz und Menschlichkeit wie ein Phoenix aus der Asche von Auschwitz auferstehen."

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Erschienen in "Einsicht 08", Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Oktober 2012 und im Katalog
der Fritz-Bauer-Ausstellung 10.4.-7.9.2014 im Jüdischen Museum Frankfurt und 9.12.-1.2.2015 im Thüringer Landtag Erfurt. 

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Werner Renz unterstehen im Fritz Bauer Institut Bibliothek und Archiv, er ist außerdem Redaktionsmitglied des Bulletins "Einsicht"

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Ausstellungskatalog Inhaltsangabe >>>

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